„Wir stoßen völlig neue Türen auf“ – enyway
„Wir stoßen völlig neue Türen auf“
Seit einigen Wochen beziehen enyway Kunden sauberen Strom aus erneuerbaren Energien von ihrem ganz persönlichen Stromverkäufer. Im Gespräch mit der enyway.com-Redaktion zieht Geschäftsführerin Varena Junge (29) eine erste Bilanz.

05. April 2018   •   Alex

Varena, enyway ist im November 2017 an den Start gegangen. Wie waren denn die ersten Monate aus deiner Sicht?
Junge: „Wir haben wirklich eine Menge bewegt. Denn unser Angebot ist so neu, dass sich viele erst einmal darauf einstellen müssen. Allen voran die Behörden. Ein Beispiel: Jeder unserer Stromverkäufer musste den Ämtern zu Beginn ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Das haben sie natürlich gemacht, sorgte jedoch anfänglich verständlicherweise für ungläubige Reaktionen. Wir nehmen unseren Stromverkäufern aber viele dieser formal-juristischen Prozesse ab, unterstützen sie überall dort, wo sie als Einzelne nicht weiterkommen.“

Und wie kommt enyway bei den Stromkunden an?
Junge: „Die sind begeistert. Sie beziehen ihren Strom schließlich genauso problemlos und sicher wie in der Vergangenheit und bei jedem anderen Stromversorger. Nur, dass ihr Strom nun sauber, menschlich und regional ist. Das gibt es ja bisher so nicht. Es ist ein bisschen schade, dass uns noch kein Kunde gesagt hat, wie anders und faszinierender sein Strom jetzt ist (lacht). Wir merken auf jeden Fall, dass Menschen den Wunsch haben, sich regional versorgen zu lassen. Eben auch beim Strom. Daher wissen sie es zu schätzen, dass sie nun eine persönliche Beziehung zu ihrem persönlichen Stromversorger aufbauen können. Oder als Wortspiel: Mit uns gibt’s Strombeziehungen statt simples Strom beziehen.“

Gibt es Reaktionen aus der Politik?
Junge: „Ja, eine Menge. Auch die Politik ist neugierig darauf, was wir da an den Start gebracht haben. Uns erreichen so viele Einladungen auf Veranstaltungen, auf denen wir unsere Geschäftsidee vorstellen sollen, dass wir gar nicht alle annehmen können. Vor kurzem war mein Geschäftsführer-Kollege Heiko von Tschischwitz beim Neujahrsempfang des Bundesverbands Erneuerbare Energie e.V. auf dem Podium und hat sich mit hochrangigen Politikern aus der CDU und SPD sowie den Grünen ausgetauscht. Das war eine sehr lebhafte Diskussion. Viel Rückenwind erhalten wir für unsere Vorschläge zum Bürokratie-Abbau. Denn statt Subventionen brauchen wir vor allem weniger Bürokratie.“

Und wie fallen die Reaktionen der Konkurrenz, also der großen Stromkonzerne, aus?
Junge: „Die schaut natürlich interessiert bis beunruhigt auf das, was wir tun. Wir stoßen ja völlig neue Türen auf. Stichwort Doppelvermarktungs-Verbot: Da gab es immer wieder Nachfragen, ob unsere Stromverkäufer ihren Strom nicht doppelt vermarkten. Das tun sie natürlich nicht. Wir haben vorher alles genauestens überprüft und uns von juristischen Experten Grünes Licht geben lassen. Wir haben alles durchgespielt und handeln im Sinne des Gesetzgebers. Unser Modell der Vermarktung ist sogar explizit als Option im Erneuerbare-Energien-Gesetz beschrieben. Aber weil wir die Ersten sind, kommen halt eben solche Fragen auf.“

Was sind deiner Meinung nach die Herausforderungen der kommenden Monate?
Junge: „Es steckt so wahnsinnig viel Innovationskraft im Strommarkt. Um die freizusetzen, müssen wir auch die politischen Hindernisse überwinden. Wir merken immer mehr, dass wir nicht auf die Politik warten können und wollen. Wir glauben, ohne politische Weichenstellungen ist noch viel, viel mehr möglich. An der Umsetzung der Ideen, die wir haben, arbeiten wir mit Hochdruck.“

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