Warum die Blockchain uns allen bei der Energiewende helfen kann | enyway

Warum die Blockchain uns allen bei der Energiewende helfen kann

Die Blockchain. Über kaum eine andere Technologie wird derzeit mehr diskutiert. Wo kann sie am besten eingesetzt werden, um den größtmöglichen Nutzen aus ihr zu ziehen? Diese Frage stellen sich derzeit viele Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen. Bei enyway ist man schon weiter…

06. Oktober 2018   •   Alex

Dass die Blockchain Potentiale bietet, um den Energiemarkt positiv zu verändern, steht außer Frage. Dass sie uns allen dabei helfen kann, die Energiewende voran zu treiben, auch. Wie genau, erklärt Andreas Rieckhoff, Chief Technology Officer bei enyway, im Interview.

Welchen Nutzen bringt die Blockchain-Technologie dem Bereich der erneuerbaren Energien?
Andreas Rieckhoff: „Ich beschränke das nicht nur auf erneuerbare Energien. Die gesamte Energiewirtschaft steht vor großen Digitalisierungsherausforderungen – die Blockchain wird dabei zu Recht immer als erstes genannt. Beispielsweise können zukünftig Herkunfts- und Regionalnachweise über Blockchain abgebildet werden, was u. a. die Prozesse beim Umweltbundesamt vereinfachen wird. Oder auch System-Dienstleistungen für die Netzstabilisierung auf Verteilnetz- und Übertragungsnetzebene können mittels Blockchain-Technologie schlank und manipulationssicher abgebildet werden. Sie kann sogar die Teilnehmeranzahl für derartige Dienstleistungen erhöhen, insbesondere was die Kleinteiligkeit angeht. So wäre es denkbar, stationäre Speicher, Elektrofahrzeuge oder kleine Blockheizkraftwerke beispielsweise in den Sekundär-Regelenergiemarkt einzubinden, was neben dem Primärnutzen dieser Technologien attraktiven Sekundärnutzen stiftet. Dennoch ist es wichtig, bei jedem Anwendungsfall die Frage zu stellen, ob Blockchain als Technologie einen Mehrwert bietet. Das Potential ist jedenfalls riesig.“

Andreas Rieckhoff

Andreas Rieckhoff ist Chief Technology Officer bei enyway


Kann die Blockchain deiner Meinung nach jedem Menschen nützlich sein?
Andreas Rieckhoff: „Das ist in vielerlei Hinsicht denkbar. Beispielsweise kann der Einsatz von Blockchain zu geringeren Endkundenpreisen führen. Einfach, indem ein Akteur aus der entsprechenden Wertschöpfungskette verschwindet und sich somit die Prozesskosten reduzieren. Durch Dezentralität können auch IT-Infrastrukturkosten gesenkt werden. Denkbar ist auch, dass mit Hilfe der Blockchain-Technologie die Privatsphäre und die Verfügungsgewalt in Bezug auf die eigenen persönlichen Daten wieder erhöht wird. Bisher verdienen Unternehmen Geld mit meinen Daten. Wäre es nicht fairer, wenn ich dieses Geld bekomme? Das gilt natürlich auch für Gewinnspannen. Warum sollten sich dieses Geld immer nur Unternehmen in die Tasche stecken?“

Berechtigte Fragen. Vor allem, weil „Peer to Peer“, also der Handel von Mensch zu Mensch, als Profiteur der Blockchain gilt. Kann so auch der nachbarschaftliche Handel von Strom vereinfacht werden?
Andreas Rieckhoff: „Eindeutig ja, aber nicht als Allheilmittel. Der Gesetzgeber ist hier durch Anpassung regulatorischer Rahmenbedingungen gefordert. Nicht zuletzt die EU fordert mit ihrem ‚Winterpaket‘ die Mitgliedsstaaten auf, die Rahmenbedingungen hierfür in den nächsten zwei Jahren zu schaffen. Im aktuellen regulatorischen Rahmen ist es wirtschaftlich schwer darstellbar, Privatpersonen mit Kleinstanlagen teilhaben zu lassen. Als einzige echte ‚Peer to Peer‘-Energieplattform weltweit ist es uns dennoch gelungen, zumindest kleineren Anlagen wettbewerbsfähig die Teilnahme bei uns zu ermöglichen. Besteht jedoch ein veränderter regulatorischer Rahmen, kann die Blockchain-Technologie in einer Reihe von Anwendungsfällen zum Einsatz kommen. Beispielsweise bei der Abbildung von Vertragsbeziehungen zwischen verschiedenen Akteuren auf einer ‚Peer to Peer‘-Energieplattform oder für die energiewirtschaftliche Zuordnung von Energieerzeugung und -verbrauch bis hin zu Abrechnungsprozessen, die auf den vorgenannten Informationen aufsetzen. Das würde das gesamte Modell sicherlich deutlich vereinfachen.“

Es heißt, die Blockchain erhöhe die Datensicherheit. Kann sie zum Beispiel auch Smart Meter, also die neueste Generation der Strom-Zähler, besser vor Missbrauch schützen?
Andreas Rieckhoff: „Smart-Metering-Technologie ist ein wesentliches Element der digitalen Transformation in der Energiewirtschaft und sollte aus drei Blickwinkeln betrachtet werden.
Das sind zum einen Komfort- und Optimierungsfunktionen, d. h. einfacher Zugriff auf die Verbrauchsdaten, Mustererkennung und damit Hinweise zur Optimierung. Zum anderen können Smart Meter als ein Schritt in Richtung größerer Autonomie und Wahlmöglichkeiten der Verbraucher interpretiert werden. Ausgestattet mit dezentralen Transaktionstechnologien wie Blockchain ermöglichen sie den Endkunden, die Beziehung zu Intermediären wie Energieversorgern zu umgehen und die technologische Basis für den Peer-to-Peer-Handel zu schaffen. Darüber hinaus sind bei Einführung derartiger Technologien Sicherheit und Vertrauen nicht zu vernachlässigen. Technische Geräte wie Smart Meter sind in der Lage, wertvolle Informationen über die Interessen und Gewohnheiten einzelner Bürger aufzuzeichnen. Fremdzugriffe, z. B. durch Hacker, verletzen die Privatsphäre oder können für kriminelle Handlungen ausgenutzt werden. Auch hier bietet die Blockchain-Technologie sinnvolle Lösungsansätze. Allerdings bedarf es noch einiger Entwicklungsarbeit in vielerlei Hinsicht. Die derzeit verfügbaren öffentlichen Blockchains sind nämlich immer noch zu langsam, energieintensiv und unbequem, um in der heutigen Smart-Metering-Infrastruktur implementiert zu werden.“

Ein Ziel von enyway ist, große Energiekonzerne überflüssig zu machen. Kann die Blockchain deren Ende sogar noch beschleunigen?
Andreas Rieckhoff: „Davon bin ich überzeugt – der Trend ist klar erkennbar. Immer mehr Geschäftsmodelle verändern die Wertschöpfungsketten deutlich, indem bisher Beteiligte einfach nicht mehr notwendig sind. Es gibt starke Tendenzen in Richtung Loslösung von Konzernen hin zu direktem Handel mit anderen Menschen. Das hat mit Unterkünften begonnen, sich über den Lebensmittelkauf beim Landwirt des Vertrauens fortgesetzt und mittlerweile eine Vielzahl an erfolgreichen Geschäftsmodellen hervorgebracht. Da muss man kein Prophet sein, um zu erkennen, dass sich das auch in der Energiewirtschaft durchsetzen wird. Und klar ist auch, dass die Blockchain durch ihre charakteristischen Merkmale nicht zu einer Verlangsamung dieser Bewegungen führen wird.“

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