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Wie Blockchain den Energiemarkt verändern kann

Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Keine Branche kann sich ihr verschließen. Die Entwicklung ist rasant. So ist es für viele heutzutage normal, Einkäufe über den digitalen Sprachassistenten zu tätigen oder sich autonom von A nach B bringen zu lassen.

24. August 2018   •   Alex

Immer mehr neue Technologien kommen zur Anwendung. Dazu zählt auch die Blockchain. Nach Einschätzung vieler Experten kann sie „tiefgreifende Veränderungen in der Energiebranche herbeiführen“, schreibt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. „Blockchains haben das Potenzial, energiewirtschaftliche Prozesse in nahezu allen Wertschöpfungsstufen zu optimieren und gleichzeitig die steigende Komplexität im zunehmend dezentralen Energiesystem zu bewältigen.“

Aber was ist die Blockchain eigentlich?

Die australische Journalistin Rosamond Hutt erklärt die neue Technik pragmatisch: „Um eine Transaktion durchzuführen, verwenden die meisten Menschen zur Zeit einen vertrauenswürdigen Vermittler wie zum Beispiel eine Bank. Mit Blockchain können Verbraucher und Lieferanten direkt eine Verbindung herstellen. Die Notwendigkeit einer dritten Partei entfällt.“

Die etwas technischere Definition klingt so: Die Blockchain ist eine dezentrale Buchführung, die auf einer Vielzahl von Computern im Netzwerk gespiegelt wird. Die Richtigkeit der einzelnen Einträge wird durch einen „Konsensmechanismus“ aus dem Netzwerk sichergestellt. Eine Blockchain besteht aus vielen chronologisch verknüpften Blöcken, sie ist transparent, manipulationssicher und bietet darüber hinaus die Möglichkeit Transaktionen günstiger und schneller durchzuführen.

Was ist dran an dem Hype Blockchain?

Wer schon mal von der Blockchain gehört hat, bringt sie wahrscheinlich vor allem mit der Krypto-Währung Bitcoin in Verbindung, weil sie die technische Grundlage der digitalen Zahlungsart ist. Aber: Die Blockchain kann viel mehr!

Welche Potentiale sie bietet und wie sie den Energiemarkt verändern kann, erklärt uns Lukas Wilkes, Blockchain-Experte und Software-Entwickler bei enyway.

1. Marktplatz für Energie

Lukas Wilkes, Softwareentwickler bei enyway

Lukas Wilkes ist Software-Entwickler bei enyway


Analog zum dem aktuellen Angebot von enyway, dem Marktplatz für Strom direkt vom Erzeuger, bietet die Blockchain die Möglichkeit, die Vertragsbeziehung zwischen dem Verbraucher und dem Erzeuger noch direkter und transparenter zu gestalten. Zentrale Prozesse wie z. B. die Abrechnung zu vereinfachen.

Über die Blockchain könnte direkt ein Vertrag zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher geschlossen werden. Ohne, dass es dafür einen Mittelsmann in Form eines Energieversorger oder Maklers braucht. Das hat den Vorteil, dass sich neben der manipulationssicheren Speicherung der Vertragsbeziehung auch die Kosten für Vermittlung und Bearbeitung der Verträge minimieren. Die Einhaltung der Verträge kann anschließend über Smart Contracts – das sind automatische Verträge, die nach immer den gleichen Regeln aufgrund eines bestimmten Ereignisses in der Blockchain ausgeführt werden – überwacht werden.

Eine Blockchain-basierte Lösung könnte darüber hinaus – unterstützt durch Smart Meter oder weitere intelligente Technologien – eine sichere und transparente Abrechnung zu jedem beliebigen Zeitpunkt ermöglichen. Damit hätte der Kunde die volle Kontrolle über seine Ausgaben für Strom. Diese Abrechnung basiert auf den in der Blockchain hinterlegten Daten, die für alle Beteiligten einsehbar sind. Die Abrechnungslogik ist in sogenannten Smart Contracts hinterlegt. Gerade für den Endverbraucher bietet ein Blockchain-basierter Marktplatz für Energie den aus meiner Sicht größten Mehrwert.

2. Herkunftsnachweise von grünem Strom

Die grüne Herkunft von Strom aus Solaranlagen, Windrädern oder anderen regenerativen Quellen wird aktuell in Deutschland und vielen europäischen Ländern über Zertifikate (RECS-Zertifikate) nachgewiesen. Diese Zertifikate werden von einer zentralen Stelle, dem Issuing Body, ausgegeben.

Die Blockchain kann an dieser Stelle den Mittelsmann, den Issuing Body, ersetzen und eine Zertifizierung des Stroms vornehmen. Die Herkunft des Stroms wäre somit für jeden transparent dokumentiert. Durch die Eigenschaften der Blockchain wären diese Informationen sicher vor Manipulationen. Die Ausgabe der Zertifikate könnte über Smart Contracts erfolgen, zum Beispiel aufgrund der Einspeisung von Strom.

Auch der Handel von Zertifikaten könnte als weiterer Anwendungsfall über eine Blockchain abgewickelt werden. Somit sind auch die Besitzverhältnisse eindeutig und manipulationssicher festgehalten. Der Endverbraucher kann damit nachvollziehen, woher sein Strom kommt, ohne dass er der Aussage eines Stromkonzerns vertrauen muss.

Blockchain Dashboard der lokalen Test-Blockchain bei enyway

Hier ist das lokale Dashboard unserer lokalen Test-Blockchain zu sehen

3. Mieter- und Nachbarschaftsstrom

Sehr interessant ist die Nutzung der Technologie Blockchain auch im Rahmen von Mieter- oder Nachbarschaftsstrom.

Bei Mieter- und Nachbarschaftsstrom handelt es sich um ein Konzept, das den Verbrauch der erzeugten Energie möglichst am oder unmittelbar beim Ort der Erzeugung vorsieht. Der große Vorteil solcher Projekte ist die Schonung der Netzinfrastruktur.

Die Blockchain kann hier im Zusammenhang mit anderen Technologien wie Smart Metern als vertrauensvoller Datenspeicher fungieren. Smart Meter publizieren die Daten in die Blockchain, wo sie manipulationssicher gespeichert und weiterverarbeitet werden. Über die Blockchain kann der verbrauchte Strom vertrauensvoll mit den Nachbarn abgerechnet werden. Aspekte aus den vorangegangenen beiden Anwendungsfällen finden hier auf lokaler Ebene Anwendung.

4. Maßnahmen zur Versorgungssicherheit

Um das Netz stabil zu halten, müssen derzeit durch die Netzbetreiber Maßnahmen ergriffen werden. Dafür greifen sie auf die Hilfe von Unternehmen zurück, die ihre Anlagen entsprechend den Anforderungen der Netzbetreiber steuern. Um sich daran zu beteiligen, muss man an Auktionen teilnehmen, die derzeit nur großen Unternehmen offenstehen. Hier könnte die Blockchain-Technologie in Zukunft dafür sorgen, dass auch kleine Akteure über einen Marktplatz an diesen Auktionen teilnehmen können. Um das Netz stabil zu halten und dabei auch noch Geld verdienen zu können.

Neben diesen vier Anwendungsfällen kann die Blockchain als unterstützende Technologie eine ganze Reihe weiterer Prozesse und Produkte vereinfachen. Die komplette Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten ist heute noch nicht absehbar. Ich sehe die Blockchain als Werkzeug um in Zukunft neue, unabhängigere und kundenfreundlichere Produkte zu entwickeln.

Insane in the Blockchain - Zettel in Lukas' Team Space bei enyway

Dieser Zettel hängt in Lukas' Büro bei enyway an der Wand

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