Nachhaltige Forstwirtschaft Wälder in der ganzen Welt sind vom Klimawandel betroffen. Eine mögliche Antwort auf die Krise ist die nachhaltige Forstwirtschaft. Aber was bedeutet das genau?

Inhalt

Worum geht es bei nachhaltiger Forstwirtschaft?

Ein sehr gutes Hilfsmittel gegen den Klimawandel ist bspw. die nachhaltige Forstwirtschaft. Was viele Menschen bestimmt nicht wissen: Das Konzept wurde bereits 1713 von dem deutschen Hans Carl von Carlowitz ins Leben gerufen. Sein Buch „Sylvicultura oeconomica” befasst sich mit dem Schutz der Wälder und wurde als Basis für die kontinuierliche Weiterentwicklung der nachhaltigen Forstwirtschaft verwendet. Wie die nachhaltige Waldwirtschaft heutzutage funktioniert, erklären wir euch am Beispiel von enyway impact und unserem nachhaltigen Projekt auf Borneo.

Was ist nachhaltige Forstwirtschaft?

Nachhaltige Forstwirtschaft lässt sich leicht erklären: Man darf dem Wald nur soviel Holz entnehmen, wie benötigt wird und wie problemlos nachwachsen kann. Für die Umwelt darf bei der Bewirtschaftung kein Schaden entstehen. Ebenfalls dürfen Boden, Tier- und Pflanzenwelt nicht beeinträchtigt werden. Der Wald muss produktiv und vital bleiben und als Natur-Lebensraum bewahrt werden – nur so ist die Forstwirtschaft nachhaltig.

Die UN hat verschiedene Maßnahmen beschlossen, die auf globaler Ebene eine nachhaltige Forstwirtschaft regulieren sollen. Diese sehen wie folgt aus:

  • Die Waldbestände schützen und nachhaltig aufforsten.
  • Die biologische Vielfalt der Wälder erhalten.
  • Die Gesundheit und Vitalität der Wälder garantieren.
  • Eine nachhaltige Bewirtschaftung durchführen.
  • Die Schutzfunktionen der Wälder sichern und so das gesamte Ökosystem unterstützen.
  • Die sozioökonomischen Funktionen der Wälder fördern.
  • Einen rechtlichen, politischen und institutionellen Rahmen bieten.

Warum ist nachhaltige Forstwirtschaft so wichtig?

Wälder sind ein wichtiges Ökosystem für die Menschen, die Tiere und das Klima. Dies macht auch die nachhaltige Forstwirtschaft so bedeutsam. Wir profitieren von den Pflanzen, die für uns CO₂ speichern. Das ist für uns lebenswichtig, da unsere Erde immer mehr CO₂ aufnehmen muss. Den bisherigen Höchstwert des weltweiten CO₂-Ausstoßes haben wir 2019 erreicht. Da lag der Wert bei rund 36,4 Milliarden Tonnen (Quelle: Statista, 2021).

Um der negativen Klimaentwicklung entgegenzuwirken, sind Bäume für uns so unentbehrlich – sie sind unsere natürlichen Klimahelden. Denn während ihres Wachstums speichern sie große Mengen an schädlichem CO₂ und reinigen so unsere Luft. Außerdem kühlen sie die Erde und unterstützen den Wasserkreislauf.

Da der Wachstumsprozess in den meisten Fällen sehr zeitintensiv ist, werden für die nachhaltige Forstwirtschaft größtenteils schnellwachsende Baumarten verwendet. Diese haben eine zügige und intensive Wachstumsphase und speichern so größere Mengen an CO₂. Ein weiterer Vorteil: Die Bäume reichern den oftmals durch frühere Rodung geschädigten, tropischen Boden mit Stickstoff an und werten diesen somit wieder auf.

Wie funktioniert das auf Borneo?

Mit unserem Partner Merica Holdings betreiben wir im Rahmen von enyway impact nachhaltige Forstwirtschaft auf der Insel Borneo. Mit einer nachhaltigen Investition in dieses Projekt kannst du dazu beitragen, dass verschiedene Vorteile für Klima, Umwelt und Bevölkerung entstehen.

Schutz des Regenwaldes

Der Bundesstaat Sabah schützt die Regenwälder in der Projektregion vollständig. Die für gepflanzte Wälder ausgewiesenen Gebiete sind alle als Areale mit hohem Naturschutz- oder Kulturwerten deklariert. Unkontrollierte Rodungen sind streng verboten und zusätzlich gibt es Feuerschutz-Schneisen auf den Waldflächen.

Ausblick auf den Sonnenaufgang auf den bewirtschafteten Wald.

Überwachung der biologischen Artenvielfalt

Unsere Projekt-Partner*innen achten auf die Bewahrung der Artenvielfalt in der bewirtschafteten Region. Das ausgebildete Naturschutzteam unseres Partners Asian Forestry Company Sabah (AFCS) schützt das gesamte Projektgebiet. Zudem gilt ein striktes Jagdverbot und es wird eng mit der lokalen Bevölkerung zusammengearbeitet. Diese wird von unserem Partner über den Schutz von seltenen Arten aufgeklärt. Ein Beispiel hierfür ist der Malaienbär – auch Sonnenbär – genannt. Dieser Bär ist der kleinste seiner Art und dadurch einer der größten Baumkletterkünstler überhaupt. Durch Konservierungsarbeiten unseres Partners vor Ort wurden inzwischen schon 8 Sonnenbären in die Wildnis reintegriert.

Vorbeugung von Degradierung und Monokultur

Ein Setzling für die Aufforstung von Bestandswäldern wird eingepflanzt.

Um Monokulturen vorzubeugen, werden die verschiedenen Baumarten in einem Mosaikmodell gepflanzt. Das funktioniert über eine Kombination aus neu gepflanzten und bestehenden Wäldern. Dadurch werden die Bestandswälder in der Region geschützt und Böden, die durch frühere Rodung beschädigt wurden, wieder aufgeforstet. Damit sorgen wir aktiv für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität auf Borneo.

Größere Menge an Nutzholz

Die nachhaltige Forstwirtschaft ermöglicht eine achtmal größere Menge an produziertem Nutzholz, als es bei natürlichen Bestandsregenwäldern möglich wäre. Das schützt die umliegenden Regenwälder vor Rodung und schafft eine sichere Einkommensquelle für die lokale Bevölkerung. So wird eines der Projektziele erreicht: Die Versorgung mit nachhaltigem Holz in einer der ärmsten Regionen Malaysias. Die lokalen Wälder werden außerdem vor illegalen Rodungen geschützt und die Lebensgrundlage der Menschen verbessert.

Nachhaltiger Holzabbau und Weiterverarbeitung

Bei der Bewirtschaftung unserer nachhaltigen Wälder wird darauf geachtet, dass nur soviel Holz weiterverarbeitet wird, wie auch problemlos wieder nachwachsen kann. Erst nach 10 bis 12 Jahren, wenn die schnellwachsenden Bäume ihre optimale Größe erreicht und ein Maximum an CO₂ aufgenommen haben, werden sie gefällt. Damit machen sie Platz für neue Setzlinge und der Kreislauf einer maximalen CO₂-Speicherung wird aufrechterhalten.

Unser Holz wird nachhaltig zu Schnittholz und Furnieren aus Rundholz weiterverarbeitet. Diese werden für langlebige Produkte wie z. B. Möbel verwendet. Gut für die Umwelt: Diese Holzprodukte ersetzen in vielen Fällen CO₂-intensive Materialien wie Plastik, Beton, Aluminium oder Stahl.

Berücksichtigung der Bevölkerung

Wir legen Wert darauf, dass wir im Rahmen unseres Projektes eng mit der Bevölkerung vor Ort zusammenarbeiten. Dementsprechend werden die Menschen über die Prozesse und Vorteile der nachhaltigen Forstwirtschaft aufgeklärt. Außerdem werden durch enyway impact sichere Arbeitsplätze geschaffen. Viele Bereiche des alltäglichen Lebens haben sich in der Region bereits verbessert. AFCS hat es z. B. mit Hilfe der Partner „Mercy Malaysia” und „Raleigh Borneo” schon geschafft, über 118 Gemeinde-Entwicklungsprojekte umzusetzen. Diese verbessern die Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Gesundheit und netzferne Elektrifizierung für die Bevölkerung vor Ort.

Forstwirtschaftliche Arbeit von lokalen Förstern in Borneo.

Wieso ein Aufforstungsprojekt in den Tropen?

Natürlich kannst du dich jetzt fragen: Warum passiert das alles in den Tropen? Wären regionale Projekte nicht besser? Könnte man nicht auch bei uns viel verbessern und bewirken? Um diese berechtigten Fragen zu beantworten, muss man sich mit den möglichen Vor- und Nachteilen eines Aufforstungsprojektes in den Tropen beschäftigen.

Welche Vor- und Nachteile gibt es bei nachhaltiger Forstwirtschaft in tropischen Regionen?

Häufig wird als Kritik erwähnt, dass die Wälder nicht dauerhaft bestehen. Da wir mit enyway impact einen Bepflanzungs-Kreislauf aufrecht erhalten, garantieren wir, dass nur die Menge an Bäumen dem Wald entnommen wird, die auch wirklich für die nachhaltige Weiterverarbeitung benötigt wird und dass anschließend neue Bäume gepflanzt werden. Der Großteil an Fläche, der aus natürlichem Regenwald besteht, bleibt ebenfalls vollständig unberührt.

Warum bietet ihr keine Projekte in Deutschland an?

Die Entfernung ist ein weiterer Kritikpunkt an Projekten in tropischen Regionen. Auch wir von enyway setzen uns für die Regionalität unserer Angebote ein. Mit unserem Marktplatz für Ökostrom zum Beispiel kannst du dir Stromanbieter*innen in deiner Nähe aussuchen und deinen Strom direkt von ihnen beziehen. Warum solltest du also nicht auch die Möglichkeit haben, dir regionale CO₂-Kompensationsprojekte auszusuchen? Warum werden mit solchen Projekten nicht in Deutschland Bäume fürs Klima gepflanzt?

Diese Fragen lassen sich eigentlich ziemlich einfach beantworten: Effizienz und Kosten. In Europa brauchen Bäume sehr lange zum Wachsen. Auch die Umsetzung von Projekten ist bei uns vor Ort wesentlich schwieriger und kostspieliger. Zudem fließt die gesamte gebundene CO₂-Menge der deutschen Wälder bereits in die allgemeine CO₂-Landesbilanz hinein. Ein „Weiterkauf” wäre also doppelt gezählt, somit nicht rechtskonform und keine Zusätzlichkeit. Dementsprechend könnten wir dir bei einem deutschen Forstwirtschaftsprojekt keine gültige CO₂-Kompensation anbieten.

Welche anderen Vorteile bietet die nachhaltige Forstwirtschaft in den tropischen Ländern?

Die tropischen Regionen bieten viele Vorteile für die nachhaltige Forstwirtschaft. Besonders die warmen Temperaturen machen eine schnelle Aufforstung von degradierten Böden möglich. Nicht zuletzt auch aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit, können Bäume schneller wachsen und so sehr viel mehr CO₂ speichern.

Außerdem ist es für die grundsätzliche CO₂-Kompensation nicht wichtig, wo auf der Welt die Emissionen kompensiert werden. Die Treibhausgase können auch an weit entfernten Orten eingespart werden - Hauptsache sie werden reduziert. Die allgemeine Effizienz von solchen Projekten in den Tropen ist einfach höher – und somit auch sinnvoller für das Klima.

Wie transparent und sicher ist die nachhaltige Forstwirtschaft in tropischen Regionen?

Ein weiterer Kritikpunkt an tropischen Forstwirtschaftsprojekten ist die angeblich schlechte Transparenz und Sicherheit der Projekte, bedingt durch die weite Entfernung der jeweiligen Projektländer. Unsere Prozesse werden von Merica alle offen dargelegt. Diese haben wir im Rahmen unseres Angebotes enyway impact vor dem Start sorgfältig geprüft. Außerdem berichten wir unseren Kund*innen in Form eines regelmäßigen Reportings über den Fortschritt des Projektes. In diesem Rahmen informieren wir über bestimmte Maßnahmen und Meilensteine, sowie über das CO₂-Volumen, welches von den Bäumen gebunden wird. Die im Projekt gebundenen CO₂-Mengen werden nur unseren Investor*innen zugeschrieben und nicht doppelt vergeben. So garantieren wir dir maximale Transparenz und einen vollständigen Überblick.

Warum bietet ihr keine Zertifikate für die CO₂-Kompensation an?

Für Anerkennung und Aufmerksamkeit im Wettbewerb der unterschiedlichen Anbieter sind Zertifikate wesentlich. Der Nachteil dabei ist: Die zugrundeliegenden Prozesse sind sehr kosten- und zeitintensiv. Außerdem werden in der Regel nur die eingereichten Unterlagen überprüft und nicht das gesamte Projekt. Wir konzentrieren uns daher derzeit lieber auf einen reibungslosen Prozess und erfolgreiche Forstwirtschaft im enyway impact Projekt. Da wir aber zunehmend Rückfragen zu einer möglichen Zertifizierung bekommen und wir dir als Kund*in den größtmöglichen Mehrwert anbieten möchten, sind wir mit unserem Waldpartner Merica bereits im Austausch zu diesem Thema. Unser Ziel wäre es, langfristig Zertifikate ausstellen zu können – wie z. B. Gold Standard oder Verra.